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"3 Thaler und 20 Groschen" - Ein preußisches Kontumazurteil von 1852
Ein Blick hinter die Kulissen der preußischen Justizgeschichte
„Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen, Großherzog vom Niederrhein etc., etc., etc., thun kund und fügen hiermit zu wissen, dass …“
Mit diesen Worten startet das Urteil des Friedensgericht Düren aus dem Jahr 1852. Gegenstand der Verhandlung war eine unbeglichene Rechnung, die aus Schreinerarbeiten hervorging. Der Schreiner Werner Schäfer beschuldigte den Tagelöhner Theodor Tiemons seine Rechnung nicht beglichen zu haben. Friedensrichter Lothar Eilender und Gerichtsschreiber Bormann sind in der Urkunde beide namentlich erwähnt.
Besonders an dieser Auseinandersetzung ist die Art des Urteils, der Beklagte wurde in contumaciam abgeurteilt. Der Kläger erschien persönlich, der Beklagte nicht. Die Abwesenheit, trotz der Ladung zum Gericht, wird als Trotz (lat. contumacia = Eigensinn, Trotz) bezeichnet und führte zur Verurteilung ohne Gegenrede. Er habe sich auch nicht anderweitig vertreten lassen.
Der geforderte Betrag des Klägers Werner Schäfer soll zuzüglich der Kosten der Zusendung in Höhe von 12 Groschen und Verzugszinsen, die nicht näher beschrieben werden, ab dem Tag der Ausstellung einzutreiben bzw. zu bezahlen sein. Der Gesamtbetrag von 3 Thaler und 20 Groschen wurde dem Beklagten samt der Gerichtskosten zu Last gelegt. Ohne Widerspruch binnen 8 Tagen besteht Rechtsgültigkeit.
3 Thaler und 20 Groschen - Was ist das heute wert?
Die Frage, die man sich immer spontan stellt, wenn es um Geld geht, das für uns nicht greifbar bzw. vergleichbar ist, ist immer die Gleiche in abgewandelter Form: Was wären 3 Thaler und 20 Groschen heute?
Eine erste und einfache Antwort bietet die Quelle selbst: Eine Schreinerarbeit konnte demnach 3 Thaler und ein paar Groschen wert sein. Da wir keine näheren Informationen zum Leistungsumfang haben, empfiehlt es sich andere zeitgenössische Quellen auszusuchen.
Der Thaler zwischen 1837 und 1857 hatte einen Wert von 24 Silbergroschen und diese wiederum einen Wert von 12 Pfennige. Davon konnte man sich als Tagelöhner Güter des alltäglichen Lebens für mehrere Wochen leisten. - Ein Kilogramm Fleisch kostet umgerechnet nur wenige Groschen und Weizen oder ähnliches noch weniger (siehe Tabelle).
Literaturnachweis
Tyszka, Carl von. (1914). Löhne und Lebenskosten in Westeuropa im 19. Jahrhundert: (Frankreich, England, Spanien, Belgien). Schriften des Vereins für Sozialpolitik / Verein für Socialpolitik; Bd. 145, 3; Untersuchungen über Preisbildung, Abt. C.